Rückfallprophylaxe ist ein konkretes System aus Frühwarnzeichen, Gegenmaßnahmen, Unterstützung und Notfallplan.
Rückfallprophylaxe bezeichnet die Gesamtheit der Vorkehrungen, mit denen eine erreichte Veränderung gegen Rückschläge abgesichert wird. Der Begriff setzt voraus, dass ein Rückfall grundsätzlich möglich ist – genau darin unterscheidet er sich von der bloßen Absicht, künftig anders zu handeln. In der Fahreignungsbegutachtung ist deshalb weniger interessant, ob jemand einen Rückfall für ausgeschlossen hält, als ob die eigenen kritischen Situationen bekannt sind und ob daran Vorkehrungen anknüpfen.
Kriterium A 1.7 N beschreibt den kurzzeitigen Rückfall als Ereignis in der Phase der Veränderung: zeitlich eng begrenzt und aufgearbeitet. Als Kontraindikatoren nennt das Kriterium unter anderem das Verlassen auf ein vermeintliches Auffangnetz und die Gestattung künftigen gelegentlichen Konsums. In der Übersicht der Mindestnachweiszeiten ist für die Konstellation eines kurzzeitigen Rückfalls im Bereich der Hypothese A1 ein Nachweis von sechs Monaten vor der Untersuchung vorgesehen. Ein Rückfall ist damit nicht gleichbedeutend mit einem Neubeginn, aber er verschiebt den Zeitrahmen.
Die Bundesanstalt für Straßenwesen hält fest, dass die derzeitigen Drogen-Kursprogramme nach § 70 FeV das Ziel einer stabilen Abstinenz verfolgen und dass es für Cannabis einer Überarbeitung bedarf, weil dort neben der Abstinenz auch ein kontrollierter Umgang als Ziel in Betracht kommt. Bei anderen Substanzen bleibt Abstinenz Kursziel. Kriterium D 7.4 N zur Kursempfehlung wurde entsprechend modifiziert; ein neuer Indikator erfasst den niederfrequenten, risikoarmen Konsum, wenn die Kriterien D 3.5 N und D 3.6 N bereits erfüllt sind.
Wichtig ist die Abgrenzung zur Anleitung: Dieser Eintrag beschreibt, was in einer Begutachtung betrachtet wird, und nicht, wie eine Vorsorge auszusehen hätte. Vorkehrungen wirken nur, wenn sie zur eigenen Vorgeschichte passen; ein übernommenes Schema trägt nicht. Deshalb steht in den Kriterien die Verbindung zwischen erkanntem Risiko und getroffener Vorkehrung im Vordergrund und nicht deren Form.
Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung.
Wenn Sie wissen wollen, was das für Ihre MPU bedeutet: Rufen Sie an oder schreiben Sie mir kurz.