Problematische Fahrgewohnheiten sind wiederkehrende riskante Verhaltensmuster am Steuer, etwa überhöhte Geschwindigkeit oder aggressives Fahrverhalten, unabhängig von Substanzkonsum. Sie sind typischer Gegenstand der V-Hypothesen bei Verkehrsauffälligkeiten.
Problematische Fahrgewohnheiten sind verfestigte Muster im Umgang mit dem Fahrzeug, die sich über Jahre eingeschliffen haben: knappe Zeitplanung, routinemäßig zu geringe Abstände, das Fahren trotz Müdigkeit oder die selbstverständliche Rückfahrt nach einer Feier. Anders als bei fehlenden Kenntnissen ist das Wissen um die Regel hier meist vorhanden; es setzt sich im Alltag nur nicht durch. Die 5. Auflage der Beurteilungskriterien behandelt Verkehrsauffälligkeit und Straftaten in den V-Hypothesen des Abschnitts B.4.
Auch außerhalb des V-Bereichs spielt das Thema eine Rolle. Kriterium D 4.4 K erfasst mit fünf Indikatoren und zwei Kontraindikatoren das Mobilitätsverhalten, also die Ebene des tatsächlichen Tuns. Im Mittelpunkt steht die vorausschauende Verhaltensplanung; als Kontraindikator wird unter anderem genannt, ohne vorherige Planung zu Treffen zu fahren, bei denen Cannabis konsumiert wird. Damit ist beschrieben, was der Begriff meint: nicht die einzelne Entscheidung am Steuer, sondern die Organisation von Wegen und Terminen. Als Ziel benennt Anlage 4a FeV einen grundlegenden Wandel.
Die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung verlangen bei Straftaten und Verkehrsauffälligkeit, dass die Voraussetzungen einer günstigen Beurteilung über einen gewissen Zeitraum stabil sind, in der Regel etwa ein Jahr. Ein einzelner beanstandungsfreier Monat genügt dafür nicht. Ob im Einzelfall ein Muster oder ein Ausreißer vorliegt, wird anhand der Aktenlage und der Untersuchungsbefunde beurteilt und nicht anhand einer Selbsteinschätzung.
Erschwerend kommt hinzu, dass eingeschliffene Gewohnheiten selten als Problem wahrgenommen werden. Sie haben sich über lange Zeit bewährt, ohne Folgen zu haben, und wirken deshalb sicher. Im Untersuchungsgespräch wird daher regelmäßig nachgezeichnet, wie Wege geplant werden, welche Rolle Zeitdruck spielt und woran sich Entscheidungen kurz vor Fahrtantritt ausrichten.
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