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Frühwarnzeichen

Frühwarnzeichen sind frühe innere oder äußere Signale, an denen eine riskante Entwicklung rechtzeitig erkannt werden kann.

Was unter Frühwarnzeichen verstanden wird

Frühwarnzeichen sind individuelle Veränderungen im Erleben, im Verhalten oder in der Alltagsgestaltung, die einer Annäherung an frühere Konsummuster vorausgehen. Sie sind kein einheitlicher Katalog, sondern personenbezogen: Bei der einen Person ist es der Rückzug aus neuen Freizeitaktivitäten, bei der anderen die Wiederaufnahme alter Kontakte, ein veränderter Schlafrhythmus, wachsende Reizbarkeit oder das gedankliche Beschaffen von Rechtfertigungen. Diagnostisch interessant ist weniger die Aufzählung möglicher Zeichen als die Frage, ob eine Person ihre eigenen erkannt hat und beschreiben kann, wann sie zuletzt aufgetreten sind und was daraufhin geschehen ist.

Einordnung in die Beurteilungskriterien

Die 5. Auflage der Beurteilungskriterien behandelt diesen Bereich vor allem beim kurzzeitigen Rückfall. Kriterium A 1.7 N beschreibt den zeitlich eng begrenzten und aufgearbeiteten Rückfall in der Phase der Veränderung. Als Kontraindikatoren nennt es unter anderem die Bagatellisierung ohne Neubewertung der eigenen Vorsätze, das Verlassen auf ein Auffangnetz, die Rückkehr regelmäßigen Konsums in den Tagesablauf mit wieder aufgebauter Toleranz sowie die naive Überzeugung, der Vorfall sei einmalig gewesen oder habe die Widerstandskraft sogar gestärkt. Diese Indikatoren sind ausdrücklich nicht kumulativ zu zählen.

Abgrenzung zu Risikofaktoren

Risikofaktoren beschreiben überdauernde Bedingungen, Frühwarnzeichen dagegen zeitlich nahe Veränderungen kurz vor einem möglichen Rückfall. Beide werden getrennt betrachtet: Ein ungünstiges Umfeld ist etwas anderes als das aktuelle Nachlassen einer Schutzstrategie. In der Praxis gehören zu einem tragfähigen Umgang mit Frühwarnzeichen drei Elemente: die Fähigkeit, sie früh wahrzunehmen, eine im Voraus überlegte Reaktion darauf und eine Erfahrung damit, dass diese Reaktion tragfähig war. Ein Katalog auswendig gelernter Warnsignale ersetzt das nicht. Ob eine Veränderung als stabil gilt, entscheidet allein die Begutachtungsstelle im konkreten Auftrag; aus einer Lexikondefinition folgt keine Zuordnung.

Verwandte Begriffe

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