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Delinquenz

Delinquenz bezeichnet ein Muster wiederholten Regel- oder Gesetzesverstoßes. Im MPU-Kontext ist sie relevant, wenn sich daraus Rückschlüsse auf eine generelle Neigung zu risikobehaftetem oder regelwidrigem Verhalten ziehen lassen, die auch die Verkehrssicherheit betreffen kann.

Ein Begriff aus der Kriminologie im Fahreignungsrecht

Delinquenz bezeichnet regelverletzendes Verhalten in einer weiteren Fassung als der strafrechtliche Schuldspruch. Erfasst sind auch Verstöße, die nicht geahndet wurden oder nicht strafbar sind. Für die Fahreignungsbegutachtung ist diese weite Fassung nützlich, weil sie den Blick von der einzelnen Verurteilung auf ein Verhaltensmuster lenkt. Die Fahrerlaubnisbehörde fragt nicht nach Schuld, sondern nach der Wahrscheinlichkeit künftiger Gefährdungen.

Was die V-Hypothesen daraus machen

Im Speziellen Teil der 5. Auflage der Beurteilungskriterien werden Verkehrsauffälligkeit und Straftaten in den V-Hypothesen geführt. Untersucht wird, ob Regelverstöße situativ entstanden sind oder ob sich eine dauerhafte Abweichung von verbindlichen Normen zeigt. Bedeutsam sind Häufigkeit, zeitliche Verteilung, Gleichartigkeit und die Frage, ob Maßnahmen zwischenzeitlich Wirkung gezeigt haben.

Das Problem der unvollständigen Datenlage

Amtliche Eintragungen bilden nur einen Ausschnitt ab. Zwischen tatsächlichem Verhalten und registriertem Verhalten liegt ein nicht erfasster Bereich. Für die Begutachtung ist das kein Nebenaspekt: Wenn eigene Angaben deutlich über die Aktenlage hinausgehen oder auffallend dahinter zurückbleiben, ist das ein Ansatzpunkt für Nachfragen zur Konsistenz.

Aus dem Begriff selbst folgt keine Bewertung. Ob und wie ein Verhaltensmuster die Fahreignung berührt, entscheiden Behörde und Begutachtungsstelle im Einzelfall; die Begutachtungsleitlinien verlangen dabei, dass geänderte Voraussetzungen über einen gewissen Zeitraum, in der Regel etwa ein Jahr, stabil vorliegen.

Abzugrenzen ist der Begriff von der Diagnose. Delinquentes Verhalten ist eine Beschreibung von Handlungen, keine Aussage über Persönlichkeit oder Krankheitswert. Die Beurteilungskriterien halten diese Ebenen auseinander, weil an sie unterschiedliche Anforderungen an Aufarbeitung, Veränderung und Nachweisdauer geknüpft sind.

Verwandte Begriffe

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung.

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