Affektregulation ist der konstruktive Umgang mit starken Gefühlen, ohne riskantes oder regelverletzendes Verhalten daraus entstehen zu lassen.
Affektregulation meint die Fähigkeit, eigene Gefühlszustände wahrzunehmen, einzuordnen und in ihrer Intensität so zu beeinflussen, dass Handeln möglich bleibt. Gemeint ist nicht das Unterdrücken von Gefühlen, sondern das Verfügen über mehrere Wege, mit Anspannung, Ärger, Niedergeschlagenheit oder Langeweile umzugehen. In der Verkehrspsychologie ist der Begriff deshalb bedeutsam, weil Substanzkonsum in vielen Verläufen genau diese Funktion übernimmt: Er wirkt kurzfristig entlastend und wird dadurch zu einem festen Bestandteil des Umgangs mit belastenden Zuständen. Von der Impulsregulation unterscheidet sich die Affektregulation dadurch, dass sie den Gefühlszustand selbst betrifft und nicht die Kontrolle einer bereits ausgelösten Handlungstendenz.
Die 5. Auflage greift diesen Zusammenhang an mehreren Stellen auf. Im Kriterium D 3.1 K zum riskanten Cannabismonokonsum bilden Entlastungsmotive eine eigene Indikatorengruppe; ausdrücklich genannt wird der funktionale Konsum zur Stressbewältigung. Auf der Alkoholseite beschreibt das Kriterium A 3.1 K häufige Trinkanlässe als Merkmal einer Gefährdung. In beiden Fällen richtet sich die diagnostische Aufmerksamkeit darauf, welche Funktion der Konsum im Alltag erfüllt hat und ob diese Funktion inzwischen anders abgedeckt wird. Ein Verzicht ohne Ersatz für die frühere Entlastungsfunktion gilt als weniger tragfähig als eine veränderte Bewältigung.
Erhoben wird die Affektregulation nicht über eine einzelne Frage, sondern über die Schilderung konkreter Situationen aus der Zeit vor und nach der Veränderung sowie über den Abgleich dieser Schilderungen mit der Aktenlage und den erhobenen Befunden. Betrachtet werden Bandbreite und Verfügbarkeit der genutzten Wege, nicht ihre Originalität. Eine Zuordnung zu einer Hypothese lässt sich daraus nicht ableiten; die fachliche Bewertung erfolgt ausschließlich im konkreten Begutachtungsauftrag.
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