Damit ist gemeint, welchen Zweck ein problematisches Verhalten – etwa übermäßiger Alkoholkonsum – im bisherigen Leben einer Person erfüllt hat, zum Beispiel als Stressbewältigung oder soziale Gewohnheit. Erst wer diese Funktion versteht, kann sie durch tragfähigere Alternativen ersetzen.
Statt zu fragen, wie viel und wie oft konsumiert wurde, fragt die funktionale Betrachtung, wozu der Konsum gedient hat. Sie geht davon aus, dass ein über längere Zeit beibehaltenes Verhalten einen Nutzen hatte – etwa Spannungsabbau nach Belastung, Erleichterung sozialer Kontakte, Einschlafhilfe, Betäubung von Konflikten oder das Erzeugen eines Zugehörigkeitsgefühls. Erst wenn diese Funktion benannt ist, lässt sich beurteilen, ob es einen tragfähigen Ersatz dafür gibt. Ein bloßer Verzicht ohne Antwort auf die Funktionsfrage gilt in der Fahreignungsdiagnostik als weniger belastbar, weil die ursprüngliche Bedingung fortbesteht.
Die 5. Auflage der Beurteilungskriterien hat diese Sichtweise ausdrücklich verankert. Kriterium D 3.1 K zum riskanten Cannabismonokonsum führt sechzehn Indikatoren, die in Gruppen geordnet sind: Toleranz und Verträglichkeit, Konsummuster, Konsum-Settings, Entlastungsmotive sowie Konsum-Fahr-Konflikte. Die Indikatoren zehn und elf beschreiben dabei den funktionalen Konsum zur Stressbewältigung. Damit ist die Frage nach der Funktion kein Gesprächsornament, sondern Teil des Kriterienkatalogs. Die Indikatoren sind ausdrücklich nicht kumulativ zu zählen, sondern bilden einen strukturierten Leitfaden für die Gesamtwürdigung.
Je stärker ein früheres Verhalten eine Funktion erfüllt hat, desto genauer wird geprüft, wodurch diese Funktion heute abgedeckt wird. Beschrieben werden dafür beobachtbare Veränderungen im Alltag, nicht Absichtserklärungen. Welches Gewicht das im Einzelfall hat, bestimmt die Begutachtungsstelle im konkreten Auftrag. Die funktionale Betrachtung ist dabei keine Schuldzuschreibung und kein Ausforschen der Biografie um ihrer selbst willen, sondern ein diagnostisches Mittel zur Einschätzung der Stabilität.
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