Trinkmotive beschreiben, welche persönliche Funktion Alkohol früher erfüllte. Ihre Aufarbeitung hilft, passende Alternativen und Schutzstrategien zu entwickeln.
Trinkmotive beschreiben die Funktion, die Alkohol im Leben einer Person erfüllt hat: Entspannung nach Belastung, Erleichterung in sozialen Situationen, Betäubung unangenehmer Gefühle, Gewohnheit ohne besonderen Anlass. Für die Fahreignungsbegutachtung ist diese Frage kein Selbstzweck. Sie klärt, welche Bedürfnisse künftig anders erfüllt werden müssen, damit eine Veränderung überhaupt tragfähig sein kann.
Aus der Art eines Motivs folgt dabei keine Bewertung. Entscheidend ist nicht, ob ein Motiv sympathisch klingt, sondern ob es erkannt ist und ob es dafür inzwischen andere Wege gibt.
Die 5. Auflage der Beurteilungskriterien nimmt Motive an mehreren Stellen auf. In Kriterium A 3.1 K wird unter Punkt 7 auf häufige Trinkanlässe abgestellt, die zu Werten von 1,1 bis 1,3 Promille führten und damit über den gesellschaftlich üblichen Konsum hinausgingen. Auf der Drogenseite beschreibt Kriterium D 3.1 K in den Indikatoren 10 und 11 Entlastungsmotive, also funktionalen Konsum zur Bewältigung von Stress. Beide Kataloge sind mehrgliedrig und ausdrücklich nicht kumulativ zu lesen.
Dieser Eintrag beschreibt einen diagnostischen Zugang, keinen Gesprächsleitfaden. Vorformulierte Erklärungen zum eigenen Trinkverhalten sind fachlich wertlos, weil geprüft wird, ob eine Schilderung zu Aktenlage, Befunden und Lebensumständen passt. Die Bewertung erfolgt ausschließlich im konkreten Begutachtungsauftrag.
Ein weiterer Gesichtspunkt betrifft die Zeit. Motive verändern sich, und was am Anfang eines Konsumverlaufs stand, muss nicht das sein, was ihn später aufrechterhalten hat. Die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung sprechen in Kapitel 3.13.1 von einer Erprobung und Erfahrensbildung von in der Regel einem Jahr, mindestens jedoch sechs Monaten, bevor eine Änderung als in das Gesamtverhalten integriert gilt. In diesem Zeitraum zeigt sich, ob ein Motiv tatsächlich seine Kraft verloren hat oder nur vorübergehend zurückgetreten ist.
Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung.
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