Lexikon A–Z

Kriterium

Ein Kriterium beschreibt eine fachliche Anforderung, die für die Prüfung einer Hypothese erfüllt oder verworfen werden muss.

Die Systematik: Hypothese, Kriterium, Indikator

Die Beurteilungskriterien arbeiten auf drei Ebenen. Zuerst wird eine Hypothese gebildet, also eine Annahme über die Art der zu klärenden Problematik – etwa im Alkoholbereich die A-Hypothesen, bei Drogen einschließlich Cannabis die D-Hypothesen, bei Verkehrsauffälligkeit und Straftaten die V-Hypothesen und bei Arzneistoffen die M-Hypothesen. Jeder Hypothese sind Kriterien zugeordnet, die beschreiben, welche Sachverhalte für ihre Beantwortung erfüllt sein müssen. Jedes Kriterium wiederum wird durch Indikatoren ausgefüllt, also durch konkrete beobachtbare Anhaltspunkte. Die Bezeichnung eines Kriteriums verbindet Hypothese und laufende Nummer, etwa D 3.5 N oder A 1.7 N.

Wie viele Indikatoren ein Kriterium trägt

Der Umfang unterscheidet sich erheblich. Kriterium D 3.1 K zum riskanten Cannabismonokonsum führt sechzehn Indikatoren, Kriterium D 3.5 N zum risikoarmen, moderaten Cannabiskonsum einundzwanzig Indikatoren und zusätzlich sieben Kontraindikatoren, Kriterium D 2.4 N zweiundzwanzig Indikatoren. Auch die Zahl der Unterkriterien einer Hypothese schwankt; die Drogengefährdung D 3 gliedert sich in der 5. Auflage in sieben Unterkriterien von D 3.1 K bis D 3.7 K. Kontraindikatoren wirken dabei ausschließend: Liegt bei D 3.5 N auch nur einer von ihnen vor, gilt das Kriterium als nicht erfüllt.

Indikatoren sind nicht kumulativ

Der wichtigste Punkt für das Verständnis: Die Indikatoren werden nicht abgezählt. Sie sind ausdrücklich nicht kumulativ, sondern ein strukturierter Leitfaden für die Gesamtwürdigung. Deshalb steht auch keine einzelne Zahl für sich. Die Bundesanstalt für Straßenwesen hat dies für die Toxikologie bestätigt: Es gibt keine definierten Cannabinoid-Konzentrationen, die auf eine Abhängigkeit schließen lassen; maßgeblich sind die Umstände im Einzelfall. Beides zusammen erklärt, warum aus einem Lexikoneintrag niemals eine Hypothesenzuordnung folgt.

Verwandte Begriffe

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