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Trennstrategie

Eine Trennstrategie ist das konkrete Handlungsmuster, mit dem eine Person Konsum und Verkehrsteilnahme im Alltag auseinanderhält. Sie wird in der Fahreignungsbegutachtung nicht als Absichtserklärung geprüft, sondern daran, ob sie zum tatsächlichen Mobilitätsbedarf passt und auch unter ungünstigen Bedingungen trägt. Dieser Eintrag beschreibt, was fachlich beurteilt wird – er gibt keine Formulierungen für ein Untersuchungsgespräch vor.

Cannabis: Kriterium D 4.4 K Mobilitätsverhalten

Nach Kriterium D 4.4 K der 5. Auflage der Beurteilungskriterien geht es um die Tun-Ebene des Trennverhaltens: um vorausschauende Verhaltensplanung und um ein realistisches Mobilitätsverhalten. Realistisch heißt, dass die Planung zu den tatsächlichen Wegen, Zeiten und Verpflichtungen passt. Eine Strategie, die Schichtdienst, Kinderbetreuung oder ländliche Verkehrsanbindung ignoriert, ist keine Strategie, sondern eine Absichtsbekundung.

Das Kriterium arbeitet neben Indikatoren auch mit Kontraindikatoren. Als solcher gilt unter anderem, ohne Planung zu Konsumtreffen zu fahren – also die Situation herzustellen, in der das eigene Fahrzeug am Konsumort steht und der Rückweg ungeklärt ist. Die Einordnung in den Gesamtzusammenhang der D4-Kriterien steht unter D4 bei Cannabis; die zugrunde liegende Fähigkeitsfrage unter Trennvermögen.

Alkohol: Kriterium A 4.2 K

Im Alkoholbereich stehen nach Kriterium A 4.2 K zwei Aspekte im Vordergrund: die Organisation der Fahrt und die richtige Einschätzung der Alkoholwirkung einschließlich einer ausreichenden Erholungsphase. Organisation der Fahrt meint die Festlegung des Rückwegs vor dem ersten Glas, nicht danach. Die Einschätzung der Wirkung schließt den häufig unterschätzten Zeitraum nach dem Konsum ein, in dem die Beeinträchtigung fortbesteht, obwohl sie subjektiv abgeklungen scheint.

Prüfbereich Cannabis (D 4.4 K) Alkohol (A 4.2 K)
Zeitpunkt der Planung vor dem Aufbruch zum Konsumanlass vor dem Konsumbeginn
Kernfrage vorausschauende Verhaltensplanung, realistisches Mobilitätsverhalten Organisation der Fahrt, Einschätzung der Wirkung
Typischer Kontraindikator ohne Planung zu Konsumtreffen fahren Fahrtantritt ohne ausreichende Erholungsphase

Mischkonsum: Punktnüchternheit von beiden Stoffen

Werden Alkohol und Cannabis kombiniert, genügt es nicht, jeweils eine Substanz für sich zu betrachten. Verlangt wird, Wirkungsüberschneidungen zu vermeiden und bei Verkehrsteilnahme weitgehend Punktnüchternheit von beiden Stoffen einzuhalten. Praktisch bedeutet das, dass sich die Planung an der jeweils länger wirkenden Substanz ausrichten muss. Für Fahranfänger in der Probezeit und Fahrende unter 21 Jahren gelten darüber hinaus eigene, strengere Vorgaben. Vertiefend: Mischkonsum Cannabis und Alkohol.

Woran eine Strategie als tragfähig gilt

Beschreibend lässt sich sagen, dass eine Strategie umso belastbarer beurteilt wird, je weniger sie im Konfliktfall eine Einzelentscheidung erfordert. Regelungen, die im Voraus getroffen werden und die Fahrzeugverfügbarkeit betreffen, verlangen im Moment der Wirkung keine Willensleistung mehr. Ebenso wird betrachtet, ob die Strategie auch dann funktioniert, wenn der ursprüngliche Plan scheitert – etwa weil eine Mitfahrgelegenheit entfällt. Das ist kein Katalog von Lösungen, sondern die Beschreibung der Prüfperspektive. Angrenzende Einträge sind Vorausschauende Mobilitätsplanung und Neue Routinen.

Warum hier keine Musterantworten stehen

Eine Trennstrategie wird nicht daran gemessen, wie gut sie vorgetragen wird, sondern daran, ob sie zum bisherigen Verhalten, zur Aktenlage und zur Lebenssituation passt. Übernommene Formulierungen erzeugen genau die Brüche, die in der Exploration auffallen – siehe Auswendig gelernte Antworten. Aus demselben Grund beschreibt dieser Eintrag Prüfkriterien und nicht Antworten. Welche Kriterien im Einzelfall herangezogen werden, ergibt sich aus der behördlichen Fragestellung, nicht aus einem Lexikon.

Häufige Fragen

Ist eine Trennstrategie dasselbe wie ein Vorsatz?

Nein. Der Vorsatz beschreibt die Absicht, die Strategie das Vorgehen, mit dem die Absicht auch dann noch trägt, wenn die Situation dagegen spricht. Geprüft wird die zweite Ebene.

Muss eine Strategie schriftlich vorliegen?

Eine formale Vorgabe dafür gibt es nicht. Beurteilt wird, ob das beschriebene Vorgehen konkret, alltagstauglich und mit dem übrigen Verhalten vereinbar ist.

Gilt eine Trennstrategie auch bei Verzicht?

Bei vollständigem Verzicht stellt sich die Trennfrage in dieser Form nicht mehr, weil die Konfliktsituation entfällt. Dann rücken Stabilität und Risikofaktoren in den Vordergrund.

Zählt der Verzicht auf ein eigenes Fahrzeug als Strategie?

Er kann ein Element sein, ersetzt aber die Betrachtung des tatsächlichen Mobilitätsbedarfs nicht. Maßgeblich bleibt die Gesamtwürdigung im Begutachtungsauftrag.

Verwandte Begriffe

Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen sind die 5. Auflage der Beurteilungskriterien (2026) mit den Kriterien D 4.4 K und A 4.2 K sowie die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung (Stand 1. Juni 2022). Keine Lexikondefinition erlaubt die Zuordnung zu einer Hypothese; die fachliche Bewertung erfolgt ausschließlich im konkreten Begutachtungsauftrag.

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Dieser Artikel erklärt den Begriff — er ersetzt kein Gespräch über Ihren Fall.

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