Bewältigungsstrategien sind konkrete, alltagstaugliche Wege, mit Stress, Konflikten, Gefühlen oder sozialem Druck umzugehen, ohne in frühere Risiko- oder Konsummuster zurückzufallen.
Die Frage nach Bewältigungsstrategien steht nicht für sich, sondern ist Teil eines hypothesengeleiteten Vorgehens. Der methodische Teil der 5. Auflage beschreibt unter der Abkürzung PUG die Planung, Durchführung und Auswertung der psychologischen Untersuchung. Zuerst wird geklärt, welche Hypothese der Anlass nahelegt, dann wird geprüft, welche Kriterien dieser Hypothese erfüllt sind. Neu ist, dass die 5. Auflage erstmals auch für die D-Kriterien Ablaufschemata bereitstellt. Bewältigungsstrategien werden damit nicht als eigenständiges Thema abgefragt, sondern dort geprüft, wo ein Kriterium sie voraussetzt – etwa bei der Korrekturfähigkeit oder bei der Dauer der Verhaltensänderung.
Besonders aufschlussreich ist der Umgang mit einem zeitlich eng begrenzten Rückfall. Das Kriterium A 1.7 N behandelt diese Konstellation und benennt zugleich, was gegen eine tragfähige Bewältigung spricht: eine Bagatellisierung ohne Neubewertung der eigenen Vorsätze, das Verlassen auf ein Auffangnetz, ein wieder regelmäßig in den Tagesablauf eingebauter Konsum mit erneut aufgebauter Toleranz, die naive Überzeugung, es habe sich um einen einmaligen Vorfall gehandelt oder er habe die Widerstandskraft gestärkt, sowie die Gestattung künftigen gelegentlichen Konsums. An dieser Aufzählung wird sichtbar, dass es um die Verarbeitung geht und nicht um das Ereignis allein.
Die Kriterienkataloge der 5. Auflage sind ausdrücklich nicht kumulativ zu verrechnen; sie strukturieren die Urteilsbildung, ersetzen sie aber nicht. Geprüft wird die Übereinstimmung zwischen den Angaben, der Aktenlage, den toxikologischen Befunden und dem beobachteten Verhalten. Eine auswendig vorgetragene Darstellung, die zu diesen Quellen nicht passt, trägt deshalb nicht. Welche Schlüsse aus dem Gesamtbild gezogen werden, entscheidet allein die Begutachtungsstelle im konkreten Auftrag.
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