
Wahrscheinlich liegt gerade ein Schreiben der Führerscheinstelle auf Ihrem Tisch – oder Sie warten darauf. Das ist eine unangenehme Lage, und fast alle, die zu uns kommen, wissen am Anfang nicht, was jetzt eigentlich von ihnen verlangt wird.
Dieser Beitrag erklärt in einfacher Sprache, was sich 2024 geändert hat, welche typischen Situationen es gibt und wie eine Vorbereitung auf die MPU abläuft. Ohne Fachchinesisch, ohne Panikmache. MPU ist die Abkürzung für Medizinisch-Psychologische Untersuchung. Die Stelle, die sie durchführt, heißt im Amtsdeutsch Begutachtungsstelle für Fahreignung.
Viele glauben, mit der Teillegalisierung sei Cannabis im Straßenverkehr unproblematisch geworden. Das Gegenteil ist der Fall. Es wurden zwei verschiedene Gesetze beschlossen, zu zwei verschiedenen Zeitpunkten – und das zweite betrifft genau das Autofahren.
Der Satz, auf den es ankommt: Etwas besitzen zu dürfen und damit fahren zu dürfen, sind zwei verschiedene Dinge. Bei Alkohol ist das genauso – legal zu kaufen, und trotzdem gibt es Grenzen am Steuer.
Viele Enttäuschungen entstehen, weil unklar ist, wer wofür zuständig ist. Diese Rollen sind streng getrennt – auch wir dürfen die Aufgaben der anderen nicht übernehmen.
Wenn die Behörde ein Gutachten anordnet, schreibt sie in das Schreiben hinein, was genau untersucht werden soll. Dieser Satz heißt Fragestellung. Er entscheidet darüber, welche Vorbereitung zu Ihnen passt – und ob überhaupt ein Nachweis erwartet wird. Bringen Sie diesen Brief zum ersten Gespräch mit. Ohne ihn lässt sich nur allgemein planen.
Was in der Vorbereitung im Vordergrund steht, hängt vor allem davon ab, wie konsumiert wurde – nicht davon, was im Blut gefunden wurde. Die folgenden Bilder sind bewusst vereinfacht.
Ein Satz, der oft überrascht: Für die Beurteilung zählt nicht in erster Linie, wie viel gefunden wurde, sondern welche Rolle der Konsum in Ihrem Leben gespielt hat. Zwei Menschen mit demselben Laborwert können in völlig verschiedenen Situationen sein.
Die ersten beiden Wege schließen einander aus – Sie gehen entweder den einen oder den anderen. Der dritte betrifft nur Menschen mit einer laufenden ärztlichen Verordnung und kommt zu einem der beiden hinzu.
Ehrlich gesagt: Viele, die auf den zweiten Weg hoffen, landen am Ende doch beim ersten. Das liegt selten daran, dass jemand etwas verschweigen wollte. Es liegt daran, dass im ruhigen Gespräch Dinge auftauchen, an die man beim ersten Termin gar nicht gedacht hat. Das ist kein Rückschritt – es heißt nur, dass die Vorbereitung jetzt auf dem richtigen Fundament steht.
Wo ein Verzicht belegt werden soll, geschieht das über ein Kontrollprogramm. Dabei gibt es ein paar Regeln, die man nicht kennen kann, wenn man es zum ersten Mal macht. Wer sie kennt, spart sich Monate.
Der Fehler, der sich am leichtesten vermeiden lässt: ein Programm zu starten, bevor feststeht, was in Ihrem Verfahren überhaupt gefragt wird – oder umgekehrt monatelang zu warten. Beides kostet Zeit und Geld. Sprechen Sie den Zeitpunkt vorher durch.
Im Internet kursieren Fragenkataloge und Listen mit „den 30 Fragen der MPU“. So läuft das Gespräch nicht ab. Es dreht sich im Kern immer um dieselben fünf Fragen – und die kann Ihnen niemand abnehmen:
Warum auswendig gelernte Antworten nicht funktionieren: Im Gespräch wird nicht abgefragt, sondern von verschiedenen Seiten nachgefragt – oft über eine Stunde. Auswendig Gelerntes hält das nicht aus, weil es nur die eine Frage beantwortet, auf die es gelernt wurde. Und es hilft Ihnen danach im Leben nicht weiter.
Zur Untersuchung gehören außerdem ein Leistungstest am Computer – kein Intelligenztest, und man kann ihn nicht auswendig lernen – und ein ärztlicher Teil mit körperlichen Befunden und Laborwerten.
Wenn Sie Cannabis ärztlich verordnet bekommen, gilt für Sie ein eigener Maßstab. Es geht nicht um Verzicht, sondern um Zuverlässigkeit: Halten Sie sich genau an die Verordnung? Nehmen Sie ausschließlich das, was verordnet ist? Ist die Einstellung stabil? Merken Sie selbst, wenn Sie beeinträchtigt sind – und lassen das Auto dann stehen?
Ein Rezept löscht keine Vorgeschichte. Die Zeit vor der Verordnung wird genauso angeschaut wie bei allen anderen – und sie wird sogar zuerst geklärt. Haben Sie vorher regelmäßig konsumiert oder andere Substanzen genommen, gehört beides dazu. Gab es daneben keinen eigenen Konsum, geht es nur um die Medikation.
Und ein Hinweis, der wichtiger ist, als er klingt: Setzen Sie eine verordnete Medikation niemals eigenmächtig ab – auch nicht kurz vor einem Untersuchungstermin. Viele überlegen das, um auf der sicheren Seite zu sein. Es ist gut gemeint und geht regelmäßig nach hinten los: Ein verordnetes Mittel, das plötzlich fehlt, wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. Diese Entscheidung treffen Sie bitte nur zusammen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Nein. Seit dem 22. August 2024 gilt ein Grenzwert von 3,5 Nanogramm THC je Milliliter Blutserum. Wer mit diesem Wert oder darüber fährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. In der Probezeit und unter 21 Jahren gilt ein Verbot.
Bei einem Urinkontrollprogramm ab dem vereinbarten Programmbeginn – nicht ab dem Tag, an dem Sie aufgehört haben. Haaranalysen können einen zurückliegenden Zeitraum abdecken. Wie lang ein Nachweis in Ihrem Fall sein muss, ergibt sich aus der Fragestellung Ihrer Behörde.
Das hängt von Ihrer Vorgeschichte ab. Gab es außerhalb der ärztlichen Behandlung keinen eigenen Konsum, geht es allein um den zuverlässigen Umgang mit der Medikation. Gab es eine Vorgeschichte, kommt deren Aufarbeitung hinzu – ein Rezept ersetzt sie nicht.
Davon raten wir ab. Im Gespräch wird über eine Stunde von verschiedenen Seiten nachgefragt. Auswendig Gelerntes hält das nicht aus. Tragfähig ist nur Ihre eigene Antwort – und die entsteht aus einer Veränderung, die Sie selbst erklären können.
Sobald ein Schreiben mit einer Frist kommt, ein Bescheid ergeht, Sie mit der Anordnung nicht einverstanden sind, Akteneinsicht nehmen möchten oder ein Straf- oder Bußgeldverfahren läuft. Fristen können sehr kurz sein – warten Sie damit nicht bis zum nächsten Vorbereitungstermin. Rechtsfragen dürfen und wollen wir nicht beantworten.
Wir haben zu diesem Thema ein Informationsheft für unsere Klientinnen und Klienten erstellt: 22 Seiten in einfacher Sprache, mit einem Wegweiser zum Selbstsortieren und einem eigenen Kapitel zu Cannabis auf Rezept. Schreiben Sie uns kurz – wir schicken es Ihnen zu. Auf Wunsch auch in einer barrierefreien Fassung für Vorlesesoftware.
MPU-Rhein-Ahr · Psychologische Beratung und Coaching · Hans-Paul Kühn
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Rechtsstand: 25. August 2026. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information zur MPU-Vorbereitung. Er enthält keine Rechtsberatung, keine ärztliche Beratung und keine Bewertung eines Einzelfalls. Gesetze, Verordnungen, die fachlichen Maßstäbe der Begutachtungsstellen und die Praxis der Behörden ändern sich; die Praxis unterscheidet sich außerdem zwischen den Bundesländern. Ob eine hier genannte Regelung noch gilt und wie sie in Ihrem Fall angewendet wird, klären Sie bitte mit einer Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt. Medizinische Fragen beantwortet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Wenn Sie wissen wollen, was das für Ihre MPU bedeutet: Rufen Sie an oder schreiben Sie mir kurz.